EDDY - Mach es gut kleiner Mann. Du warst wirklich einzigartig.

Jürgen ist vor über acht Jahren mit der Tierschutzorga IG Grenzenlos nach Ungarn gefahren, um im Tierheim Szekesfehervar eine Zwingeranlage mit aufzubauen. Wir hatten bereits im Vorfeld abgestimmt, dass er einen Hund aussuchen wird, der mit dem nächsten Transport zu uns kommen wird, um sein Leben bei uns zu verbringen. Jürgen hat sich einen Hund ausgesucht: Tschussli (soll wohl so etwas wie „Schussel“ heißen). Es war wohl gar nicht so einfach Fotos von ihm zu schießen, da er mit einer riesigen Anzahl anderer Hunde im Zwinger untergebracht war und alle sich tierisch freuten, einen Menschen bei sich zu haben. Als Jürgen mit den Fotos nach Hause kam, fiel mir auf, dass der kleine Mann auf keinem Foto vollständig zu sehen war. Entweder war der Kopf oder der Hintern abgeschnitten. Das hing damit zusammen, dass der Zwerg unvorstellbar lang war. Auf jeden Fall viel länger als hoch und mit überaus krummen Vorderbeinchen. Wir haben uns sehr gefreut auf den kleinen Mann und fünf Wochen später kam er mit dem nächsten Transport dann auch zu uns. Er wollte anfangs nicht ins Haus, das machte ihm Angst. Aber als er lange genug vor der offenen Tür die anderen Hunde drinnen laufen gesehen hatte, hat er sich dann doch dazu entschieden. Der Sessel gehörte dann auch sofort ihm und er weigerte sich in den ersten Tagen standhaft, das Haus wieder zu verlassen. Wir mussten ihn dann immer in den Garten tragen. An der Leine kleine Runden laufen war undenkbar. Er markierte, was das Zeug hielt. Unsere Bude roch innerhalb weniger Tage wie ein Raubtierkäfig und er fühlte sich darin richtig sauwohl. Merkwürdig, dass die Menschen das gar nicht lecker fanden. Ein paar Tage später war der Name Tschussli (Schussel) Programm. Überall wo er gelaufen ist, hat er Hindernisse mitgenommen, die Leine darum gewickelt oder sich irgendwo verfangen. Es war immer wieder ein Erlebnis mit ihm spazieren zu gehen. Nach einer Woche bei uns hat er sich, um 5 Uhr morgens beim Spaziergang durch das totenstille Örtchen, mit einer Pfote in einem Abflussdeckel (damals noch mit den breiten Öffnungen, war auch immer schön mit dem Radreifen dort rein zu geraten) verfangen. Er schrie wie am Spieß. Um ihn dort wieder rauszubekommen, musste ich den kleinen Zwerg etwas zur Seite drücken. Dabei hab ich unliebsame Bekanntschaft mit seinen Zähnen gemacht. Die Menschen und die Leine waren ihm draußen auch insgesamt eher lästig. Wenn man abgebogen ist, hieß es noch lange nicht, dass Eddy auch wirklich mitkam. Wenn man ihn an der Leine in eine andere Richtung dirigieren wollte, blieb er stocksteif stehen und sah einen völlig empört an.

Er war ein starker Charakter und wir hatten nicht vor, diesen in irgendeiner Weise zu verbiegen. Unserer Meinung nach, war das Leben mit Eddy nicht immer einfach, aber es barg etliche Überraschungen und wir haben nicht nur oftmals den Kopf über seine Einfälle geschüttelt, sondern auch oft und herzlich darüber gelacht. Eines machte uns von Anfang an Sorgen: Seine krummen Beine, in denen sich die Arthrose schon breit gemacht hatte, als er mit 5-6 Jahren zu uns gestoßen war. Ein paar Jahre konnte man die Entzündungen noch mit Ernährungszusätzen und homöopathischen Medikamenten beeinflussen. Irgendwann reichte das leider nicht mehr aus und er benötigte Schmerzmittel. Trotzdem hat der kleine Mann das Leben in vollen Zügen genossen und sich von eventuellen Schmerzattacken nicht unterkriegen lassen. Bis zum letzten Lebenstag hat er seine kleinen Erkundungs- und Markiertouren geliebt und absolviert und auch noch seine Lieblingsmahlzeit (gewolftes Huhn, Euter und püriertes Gemüse) eingenommen.Wie und warum die Organe dann so schnell kollabiert sind, werden wir wohl nie in Erfahrung bringen. Auch die Tierärzte reagierten hilflos. Er zeigte Symptome, die man nicht zuordnen konnte. Und 14 Stunden nach seiner letzten Mahlzeit ist er verstorben. Wir sind fassungslos und wie in Schockstarre. Damit hatten wir nicht gerechnet. Zumindest nicht in diesem Tempo. Vielleicht sollten wir dankbar sein und uns für ihn freuen. Er hatte keine fürchterlich lange Leidenszeit und hatte diese acht Jahre, unseres Wissens, ein gutes Leben.Momentan sind Schmerz und Verwirrung unsererseits aber noch viel zu groß, um diese Dankbarkeit zu empfinden. Aber vielleicht werden wir nach ein paar Tagen soweit sein.

Mach es gut kleiner Mann. Du warst wirklich einzigartig.